Ich verstehe Alno nicht. Ich meine damit nicht deren Aktivitäten, nicht die Strategie des Küchenkonzerns. Ich meine das Unternehmen selbst. Seit dem Börsengang 1995 entwickelte sich der einst so glänzende Küchenkonzern immer mehr zum Mysterium. Doch soweit sind wir Gott sei Dank bei Alno noch nicht. Obwohl in den letzten zehn Jahren heftig daran gearbeitet wurde. Massiver Stellenabbau und dennoch sinkende Umsätze und Erträge, Qualitätsprobleme mit entsprechender Reklamationsquote. Demotivierte Mitarbeiter und eine ständig wechselnde Führungsmann. Endlose Diskussionen über Standortschließungen oder Verlagerungen. Verunsicherungen auf allen Ebenen. Es grenzt an ein Wunder, dass Alno all diese schweren Verwundungen, den freien Fall, überlebt hat.
Lange kann das meiner Meinung nach nicht mehr gut gehen. Die Situation spitzt sich zu. Entweder oder. Der Einstieg von Max Müller mit seiner Starlet Investment Gesellschaft und der Rauswurf von Vorstandschef Jörg Deisel nebst Vorstandskollegen Michael Paterka: Ist das die Wenden zum Guten? Müller übernimmt selbst das Ruder und Christoph Fughe wird zum Vertriebsvorstand geadelt.
Oder nur ein neues Kapital in der Alno-Tragödie? Bei den Mitarbeitern sei ein Aufatmen zu hören gewesen - von Pfullendorf bis Enger. Weil endlich ein Manager das Ruder übernimmt, der als neuer Aktionär viel Geld in das Unternehmen steckt. Zu wünschen wäre es Alno. Wenn es Müller nicht schafft, dürfte das Schicksal von Alno besiegelt sein.
Ich bleibe skeptisch. Zu viele Fragezeichen. Der Schuldenberg von Alno ist riesig. Will der 65jährige Müller wirklich die Ärmel hochkrempeln und ins operative Geschäft einsteigen? Wie weit geht sein finanzielles Engagement? Kann sein Vertriebsvorstand Fughe diese Mammutaufgabe stemmen?
Überhaupt ist die aktuelle Aktionärsstruktur von Alno für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Wie viele Anteile hält Müller mit seiner Investmentfirma Starlet Invest? Will er diesen Anteil ausbauen? Wie verhalten sich die anderen Großaktionäre?
Ich habe schon viele Gedanken zur Lage der Nationen in meinem Journalistenleben geschrieben. Ich mir jedoch sicher, dass es nie zuvor so viele Fragezeichen in einem Editorial von mir gab. Was stellte ich oben bereits fest: Alno ist ein Mysterium. Auf jeden Fall für mich.
Ihr Claus Birkner
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare hinterlegt.